Freispiel im Kindergarten


 

Was macht mein Kind im Freispiel?

Immer wieder höre ich von Eltern: “Mein Kind macht ja gar nichts Richtiges im Kindergarten. Es spielt nur den ganzen Morgen, ohne dass sich jemand darum kümmert.“ Diese oder ähnliche Aussagen haben mich dazu veranlasst, Euch über Sinn und Bedeutung des Freispiels für Eure Kinder zu informieren.
Folgende Definition habe ich in der Fachliteratur gefunden: „Das Kind kann Tätigkeit und Material frei wählen, es entscheidet, ob es allein oder mit einem frei gewählten Partner (bzw. einer Gruppe) spielt. Auch die Entscheidung über Ort und Dauer liegt beim Kind. Daneben bietet das Freispiel die Gelegenheit, das Kind „freizulassen“, d.h. es ist ihm auch die Freiheit zum „Nichtstun“ zu gewähren,...“ aus „Lebensraum Kindergarten“

Im Freispiel wählt das Kind:

  • Spielmaterial
  • Spielpartner, aber auch NEIN sagen können
  • Spieldauer
  • Spielart


Im Freispiel übt ein Kind sein soziales Verhalten, in dem es:

  • aufeinander zugeht
  • Kontakt aufnimmt
  • sich durchsetzt
  • nachgibt
  • Gruppen- und Spielregeln beachtet
  • Rücksicht nimmt
  • im Rollenspiel alltägliche Situationen durchspielt und verarbeitet
  • sich an neues heranwagt und eventuelle Misserfolge aushält
  • den anderen hilft
  • teilt
  • Freundschaften schließt
  • Spaß am gemeinsamen Spiel erlebt.


Gefördert werden:

  • Konzentration und Ausdauer zu üben
  • Gedächtnistraining
  • Fingerfertigkeit zu üben (schneiden, malen, kneten Legespiele)
  • Erlebtes und Geschehenes beim Malen verarbeiten, Phantasie ausleben
  • selbständige Erfahrungen mit unterschiedlichen Materialien machen
  • Einsicht für Ordnung und Regeln erlangen, die im Zusammenleben wichtig sind
  • Was ist die Aufgabe der Erzieherin dabei?

Beobachten - Mitspielen – Anregen – Fördern

  • Beobachten des Spielverhaltens
    Interesse, Ausdauer, Konzentration, Verhalten bei Misserfolg
  • Beobachten der im Spielverhalten sichtbar werdenden Fähigkeiten
    und eventuelle Defizite
  • Beobachten des Sprachverhaltens
  • Beobachten von Rolle und Verhalten in der Spielgruppe
    Anführer, Ideengeber, Nachahmer, Mitläufer
  • Mitspielen, um ein neues Spiel einzuführen
  • Mitspielen, um Spielgruppen zu formen und zusammenzuhalten
  • Mitspielen, um kontaktschwachen Kinder in der Spielgruppe zu helfen
  • Anregen, um einseitige Interessen zu vermeiden
  • Anregen, um zu neuen Spielideen zu führen
  • Anregen, Konflikte selbst zu lösen, Unterstützung zusichern
  • Förderung einzelner Kinder durch gezielte Angebote
  • Förderung unsicherer Kinder in ihrem Selbstbewusstsein. Sie ermutigen, ihnen Erfolgserlebnisse verschaffen, ihnen Sicherheit geben.

Die Erzieherin schafft die Voraussetzung, die überhaupt das Freispiel ermöglichen. Sie gestaltet den Raum (Puppenecke, Rollenspielecke, Lese- und Kuschelecke, Mal- und Bastelecke usw.) und stellt Material zur Verfügung (z.B. Regelspiele, Puzzles), beides entsprechend (und deshalb manchmal auch wechselnd) der Situation in der Kindergruppe.
Natürlich zählt auch das Spiel draußen zum Freispiel, was auch bedeutet, dass nach Einschätzung der Erzieherin eine Gruppe von Kindern alleine draußen spielt, ohne unter direkter Aufsicht zu stehen. Das Außengelände bietet den Kindern viele Möglichkeiten für grobmotorische Körperbewegungen. Die Kinder erfahren dort ein Stück Natur und Sinneseindrücke in einer lebendigen Umgebung (Sand durch die Hand rieseln zu lassen oder Vogelstimmen zu lauschen). Die Wirkung dieser Eindrücke, die die Kinder aufnehmen und die eigenen körperlichen Bewegungen sind wichtig für die Aufgeschlossenheit der Kinder für ihre Umgebung und die Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit.

Zusammenfassend würde ich die Bedeutung des Freispiels für das Kind so beschreiben:

  • Im Freispiel kann das Kind sich selbst verwirklichen, seine individuellen Bedürfnisse befriedigen.
  • Entscheidungen frei und selbständig treffen, sich Lernaufgaben und –ziele selbst setzen etc.
  • Im Freispiel erlebt das Kind Freiheit in gewissen Grenzen (z.B. Zeitrahmen), die ihm Sicherheit, Schutz und Geborgenheit garantieren.
  • Im Freispiel handelt das Kind in freier Selbstbestimmung. Es wird nicht von Erwachsenen bevormundet.

Das Freispiel nimmt im Tagesablauf die meiste Zeit in Anspruch. Diese Tatsache macht deutlich, dass das Freispiel den wichtigsten Bereich der pädagogischen Arbeit im Kindergarten ausmacht.
Durch angeleitete Aktivitäten wird das Freispiel bereichert und unterstützt. Zum anderen fängt die Erzieherin für die angeleiteten Aktivitäten Anregungen aus dem Freispiel auf und geht darauf ein, was dem Kind ein intensiveres Erleben verschiedener Erfahrungen ermöglicht.


Birgit Blankenheim - Artikel aus der Rudi-Roda Kindergartenzeitung
Für die Online-Veröffentlichung bearbeitet - J.Schoog 02/2007


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