Männer braucht der Kindergarten - Der Roda-Kindertreff hat sie schon!


In ihrer Ausgabe vom 12.04.08 berichten die Aachener Nachrichten unter dem Titel "Neue Männer braucht der Kindergarten" über den Mangel an männlichen Erziehern in Kindergärten (den vollständiger Artikel der AN findet ihr ganz unten).

Da wir im Roda-Kindertreff schon lange männliche Erzieher haben, kamen wir nicht umhin dazu einen Leserbrief zu schreiben:

Roda Kindertreff in Herzogenrath beschäftigt „zwei Exoten“

Da staunte ich nicht schlecht, als ich vom dem „nur einen Erzieher  in Herzogenrather Kindergärten“ las.
In unserer Einrichtung mit 87 Kindern im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt sind sogar zwei dieser „Exoten“ beschäftigt.
In einem Team von elf Pädagogen sind zwei schon ein wirklich guter Schnitt auf den ich als Leitung der Einrichtung mächtig stolz bin.

Es ist in der Tat so, dass durch unsere männlichen Kollegen neue Impulse und Sichtweisen in den Kindergartenalltag gebracht werden.
Aber nicht nur für die Teamkolleginnen stellen unsere Männer eine Bereicherung dar, sondern ganz besonders auch für unsere Kinder.
Immer mehr Kinder wachsen bei ihren allein erziehenden Müttern auf oder immer mehr Kinder erleben den Vater vielleicht noch gerade am Wochenende, weil sie in der Woche schon im Bett sind, wenn der Vater nach Hause kommt.
Bei uns erfüllen die Erzieher nicht das Rollenklischee vom reparierenden, Fußball spielenden Mann, sondern sie sind im Alltag mit den gleichen Aufgaben beschäftigt wie ihre weiblichen Kolleginnen. Dazu gehören neben den pädagogischen Aufgaben, hauswirtschaftliche und pflegerische Aspekte.
Nach anfänglicher Skepsis sind unsere Erzieher von den Eltern sehr geschätzt und solche Gedanken wie: „guckt der auch, ob mein Kind die Jacke zu hat“ bei schlechtem Wetter, gehören der Vergangenheit an.

Es geht aber für die Zukunft auch darum, mehr Männer für diesen Berufszweig zu begeistern. Wir steuern unseres dazu bei, indem wir interessierten Schülern die Möglichkeit geben, bei uns ein Praktikum zu machen und vielleicht können wir dadurch, trotz der schlechten Verdienst -und Aufstiegsmöglichkeiten, junge Männer für den Beruf des Erziehers begeistern.

Leserbrief an die AN geschrieben von Birgit Blankenheim, Leiterin Roda-Kindertreff

 

Nachtrag:
Inzwischen ist in unserer Einrichtung leider nur noch ein männlicher Kollege vertreten. Wir möchten aber ausdrücklich allen männlichen Kollegen Mut machen, im Elementarbereich zu arbeiten...

B.B. 11-2008

 

Der Artikel aus den externer Link Aachener Nachrichten:

Neue Männer braucht der Kindergarten

Herzogenrath. René Oehl kann´s einfach besser als Til Schweiger. Woran der Schauspieler Schweiger im Kinohit «Keinohrhasen» anfangs grandios scheitert, meistert der Aachener Oehl mit links: Seit zehn Jahren hat er als Erzieher die Kleinen im Kindergarten bestens im Griff.

Und ist somit ein Exot. Männer wie ihn findet man selten. In Herzogenrath genau einmal. 174 Stellen gibt es dort in 20 Kindergärten. 173 davon gehören Frauen. Und nur die eine, die im integrativen Kindergarten «Villa Kunterbunt» in Straß, die gehört seit fünf Jahren René Oehl. Er kennt die Einsamkeit des beruflich erziehenden Mannes. «Bei der Ausbildung war ich schon der einzige Kerl unter Frauen.» Und heute? Kein Kollege weit und breit!

Ein wenig vermisst er andere große Jungs wie ihn, die sich um die kleinen Jungs und Mädchen kümmern wollen. Nicht bloß, um am Arbeitsplatz auch mal Männergespräche führen zu können.

«Bei Teamsitzungen ist es auch etwas anderes, wenn Männer mit am Tisch sitzen. Dann tun sich manchmal neue Sichtweisen auf. Ich bin überzeugt, das Frauen und Männer in Kindergärten eine gute Kombination sind.» Er hat seinen Platz gefunden.

Die Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann hat der heute 35-Jährige lustlos hinter sich gebracht («das war nichts, ständig Verkaufsgespräche am Telefon zu führen») und anschließend während eines freiwilligen sozialen Jahres an einer Sonderschule sein Herz für den Umgang mit Kindern entdeckt.

Gezögert hat er dennoch, einen Job in einem Kindergarten anzustreben. Während Erzieher in Jugendeinrichtungen oder Heimen nämlich ein gutes Einkommen haben, geht er im Monat mit 1300 Euro netto nach Hause. «Das ist schon übel», sagt er, «aber die Kinder reißen das wieder raus. Ich mache das, weil es mir einfach Spaß macht.»

Bei den Kleinen ist René der Renner. Er spielt, lacht, tanzt und kuschelt mit den Kindern. «Morgens sitzen als erste die Jungs auf meinem Schoß und wollen schmusen.» Er ahnt, dass er für manchen auch ein Vaterersatz ist. «Berufstätige Väter haben oft nur wenig Zeit für ihre Kinder, das spürt man.» Doch ein Mustermann will er nicht sein. Klar, wenn die Jungs Fußball spielen wollen, kommen sie häufig zu ihm. Und René kickt dann auch brav mit, obwohl er Fußball gar nicht so gern mag. «Ich hole aber oft eine Kollegin dazu um zu zeigen, dass die das auch kann.»

Auch sonst steht er nicht auf die Mann-Frau-Klischees. Er lässt die Kolleginnen mit der Bohrmaschine hantieren und putzt selbst den Boden. Dass er der Hahn im Korb ist, spürt er eigentlich nicht: «Ich bekomme hier morgens nicht meinen Kaffee hinterhergetragen oder ein Butterbrot geschmiert.»

Bei den Eltern ist er voll akzeptiert. «Die gucken nicht komisch, wenn sie einem Mann ihre Kinder anvertrauen.» Also eigentlich ein Traumjob. Eigentlich, denn die Sache mit dem Geld wurmt ihn. Will er in dem Job mehr verdienen, müsste er Leiter eines Kindergartens werden. Das will er auch. Doch dabei könnte er es schwer haben. «Weil es immer noch nicht so viele Führungspositionen für Frauen in unserer Gesellschaft gibt, werden sie bei Leitungen von Kindergärten oft bevorzugt.»

Ganz anders war das, wenn er sich als Erzieher vorgestellt hat. Die Stelle in Straß ist seine dritte. «Ich habe mich dreimal beworben - und jede Stelle gleich bekommen.» So gesucht sind Erzieher. Auch Manfred Schmidt, stellvertretender Jugendamtsleiter in Alsdorf, hätte gern «mehr Männer in Kindergärten».

Bloß bekommt er keine Bewerbungen. «Wäre ein Bewerber mit guter Qualifikation dabei, würde ich ihn garantiert zum Vorstellungsgespräch einladen.» Auch Peter Timmermanns, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Kreis Aachen, spricht von «erheblichen Chancen» für männliche Bewerber. Wenn, ja wenn es die denn gäbe. Zehn Kindergärten hat das DRK im Kreis. Männliche Erzieher gibt es dort nicht. Neue Männer braucht das Land? Vor allem wohl im Kindergarten.

Von Stefan Schaum / AN

 

J.S. - 04/08


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